“Erich Raffs, gefallen bei der großen Schlacht an der Somme”

 

 

Dem Gedächtnis der im Weltkrieg 1914/18 gebliebenen Lehrer und ehemaligen Schüler der DREIKÖNIGSSCHULE (Reformrealgymnasium zu Dresden-Neustadt)

Erich Raffs

"Laßt uns die Lebensflamme der Erinnerung an unsere Toten in unsern Herzen hüten und pflegen und sie bewahren vor dem Erlöschen, solange wir selbst noch das Licht der Sonne schauen dürfen. Die Zeit geht so schnell dahin und wir mit."

Am 30. Juli 1916 starb bei einem Sturmangriff auf eine französische Stellung in der Gegend von Peronne den Heldentod fürs Vaterland der Kaufmann Erich Raffs. Er wurde am 4. Mai 1887 in Riesa geboren. Nach Verlassen der Bürgerschule besuchte er von Ostern 1895 ab die Dreikönigsschule, die er Ostern 1905 mit dem Reifezeugnis verließ. Der Überlieferung seiner Familie entsprechend widmete er sich dem Kaufmannsstande und machte zunächst bei Ludw. Hupfeld, Phonolawerke in Leipzig, eine zweijährige Lehre durch. Zu seiner weiteren und besonderen fachlichen Ausbildung war er sodann in verschiedenen Hamburger Import- Getreidegeschäften in Stellung, um endlich Ostern 1911 als Teilhaber in das väterliche Groß-Getreidegeschäft einzutreten.

Im Jahre 1912 führte er seine Jugendliebe zum Traualtar. An der Seite seiner geliebten Gattin, die ihm einen Stammhalter und zwei herzige Zwillingsmädchen geschenkt hatte, hoffte er recht viele Jahre reinsten Glücks erleben zu können.


Seine geliebte Gattin: Marie (Maja) Anna Wilhelmine Kaulich *03.01.1889 Liebeschitz / + 30.06.1970 Wallasey

Da brach der Krieg aus, der das Familienglück jäh zerstörte. Wegen eines Herzfehlers hatte Raffs nicht als Einjähriger gedient, er wurde erst im Verlaufe des Krieges (28 Jahre alt) ausgehoben. Nach kurzer Ausbildung beim Ersatz-Bataillon des Res.-Inf.-Reg. Nr. 102 in Strachwitz bei Breslau, rückte er im Herbst 1915 ins Feld nach Frankreich und beteiligte sich mit Auszeichnung an den vielfachen, sich vornehmlich in der Sommegegend abspielenden heißen und blutigen Kämpfen seines Regiments.

Ende Juni 1916 kam er, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und zum Vizefeldwebel und Offiziers-Aspirant befördert, das letzte Mal auf Urlaub, den er, begünstigt durch das herrliche Sommerwetter, im Kreise der Seinen noch einmal in vollen Zügen genoß.

Unmittelbar nach seinem Wiedereintreffen an der Front griff er in den seit mehreren Tagen tobenden Kampf mit ein und erlag am 30. Juli beim weiteren Vordringen, an der Spitze des von ihm geführten Zuges, einem Granatgeschoß.

Da das Bataillon die Kampfstellung nicht zu halten vermochte, so mußte der größte Teil der Gefallenen dem Feinde überlassen werden. Es schmückt daher kein Kreuz das unbekannte Grab dieses tapferen Helden.

Ein für alles Edle und Schöne begeistertes und empfängliches Gemüt verband sich bei ihm mit reicher geistiger Begabung. Sein stark ausgeprägtes Pflichtgefühl und seine unwandelbare Treue sichern ihm bei allen, die ihm in seinem kurzen aber dennoch reichgesegneten Leben nähergestanden haben, ein ehrendes Gedenken.

 

Aus der Geschichte des Res.-Inf.-Reg. Nr. 102:

Das Reserve Regiment 102 befand sich dicht nördlich der Somme bei Monacu-Ferme, ca. 2 km nördlich Feuilléres. Beim französischen Angriff am 30.07.1916 befand sich das II. Bataillon (mit der 7. Kompanie) am Steilhang der Strasse Maurepas – Cléry (etwa 3 km nördlich Monacu-Ferme).

 

"Riesaer Tagesblatt", Nr. 183, Mittwoch, 9. August 1916

 

Erich Raffs ruht auf der Kriegsgräberstätte in Rancourt (Frankreich).

Endgrablage: Block 4 Grab 168